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Triumph BDG 125 H, Baujahr 1953


Klassische deutsche Triumph aus den 50-ern mit Doppelkolbenmotor.

Ein etwas seltsames Motorrad. Auf der einen Seite wurde sehr viel gemacht und auf der anderen Seite schlampig gearbeitet. Wenn man einen Oldie schon neu lackieren muss, dann sollte man auch die Vorbereitungsarbeiten ordentlich machen. Hier wurde leider viel gepfuscht und es wurde über Abplatzungen und Rost einfach drüber lackiert. Schade um die Arbeit!

Aber gut, die Optik ist nicht meine Baustelle. Da sie nur mit Ach und Krach 40 km/h läuft soll ich die technische Seite in Ordnung bringen. Wenn man jedoch kaum Unterlagen zu solch einem Motorrad hat muss man sich langsam an die Materie heranarbeiten.
Mittlerweile habe ich Dank http://www.meisterdinger.de und deren Forumsmitgliedern einige Unterlagen zusammenbekommen und die Arbeit kann starten.


Beim Vergaser fangen wir mal an weil bei einem Gemisch von 1:20 das Öl bei längerer Standzeit schon mal verharzen kann. Im Vergaser waren zwar einige Schmutzpartikel aber nichts gravierendes. Das Ultraschallbad hat ihm jedoch mit Sicherheit nicht geschadet.


Die Zündanlage war zwar völlig verkehrt eingestellt, aber das richtige einstellen brachte auch kein befriedigendes Ergebnis.


Also den Zylinderkopf runter. Die Kopfdichtung war durch, aber das ganze hielt sich eigentlich noch im Rahmen. Vor dem Zusammenbau muss ich hier mit dem Haarlineal nachmessen.


Hier sieht man es ganz deutlich, dass die Zylinderkofdichtung im hinteren Bereich schon durchgelassen hat.


Hier ist der Zylinder gezogen. Man erkennt zwar, dass die Kolbenringe minimal durchlassen, aber da habe ich schon schlimmere Motoren gesehen und die liefen noch einwandfrei. Aber der Wellendichtring auf dieser Seite hat übel ausgesehen. Wieso macht sich jemand so viel Arbeit mit einem Motor und verbaut dann alte Wellendichtringe.


Nach dem Ausbau der Lichtmaschine stellte sich heraus, dass auch hier der Wellendichtring hinüber ist. Dabei sind gerade die Wellendichtringe beim Zweitakter lebenswichtig! Nachdem hier richtig perverse Wellendichtringe mit einer Blechummantelung verbaut sind muss ich nun einmal zusehen, wo ich die in guter Qualität herbekomme.


Im Kurbelgehäuse fanden sich dann noch zahlreiche Brocken. Wahrscheinlich von einem früheren Motorschaden.


Hier der linke Kurbelgehäusedeckel von Simmerring und altem Lager befreit. Die Teile müssen vor dem Einbau der neuen Teile vorsichtig auf Temperatur gebracht werden.


In den 50-er Jahren wurden schon seltsame Kugellager eingebaut. Obwohl dies bereits die neuere Version ist da die Kugeln wenigstens in einem Käfig laufen.


So, hier ist dann die Kurbelwelle mit neuen Lagern und neuen Wellendichtringen eingebaut.


Der rechte innere Seitendeckel. Hierfür fand ich keine Dichtung. Deshalb dichtete der vorhergehende Schrauber den Deckel mit Flüssigdichtung ab. Bei uns wird natürlich selber eine Dichtung angefertigt.


Beim vermessen des Zylinders mit dem Haarlineal fiel mir ein geweitetes Gewindeloch auf. Nachdem ich diesen Brocken aus dem Gewindegang geholt hatte war mir klar, warum der Zylinderkopf hier durchgeblasen hatte. Wieder eine Unterbrechung der Arbeit weil ich keinen Reparatureinsatz für M6 mehr da hatte. Aber egal, wir kommen der Vollendung immer näher!
Kleines Zwischenresümee:

als 125-er hatte ich diese Doppelkolbenmotoren von Triumph noch nicht in den Fingern. Bei den 250-ern ist die Ersatzteilversorgung relativ entspannt, aber bei den 125-ern gab es verschiedene Motoren und da ist die Ersatzteilversorgung nicht einfach. Es erfordert schon ein wenig Geduld und Zeit bis man hier alles zusammen hat.

Besonders bei diesem Fahrzeug muss ich sagen, dass der Motor ziemlich heftig zusammengebastelt wurde. Improvisationstalent ersetzt auf keinen Fall ordentliches arbeiten! Ich hoffe nur, dass die Kupplung nicht auch noch einen Schaden hat. Das Öl aus dem Getriebe war für ein 40-er Einbereichsöl einfach zu dick!